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Auf der kürzlich in Las Vegas stattgefundenen Consumer Electronics Show (CES) stellte ZF seine innovative Softwarefunktion "Active Noise Reduction" vor, die darauf abzielt, das Reifenfahrgeräusch im Fahrzeug zu reduzieren – ein häufiges und störendes Problem, das über Fahrwerkskomponenten wie Querlenker und Dämpfer übertragen wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräuschreduktionsmethoden, die auf zusätzlicher Hardware basieren, arbeitet die neue Lösung von ZF rein softwarebasiert und reduziert das Reifenfahrgeräusch direkt an der Quelle, ohne dass zusätzliche schalldämpfende Materialien im Fahrzeug erforderlich sind. Diese bahnbrechende Technologie nutzt die Fähigkeiten des Smart Chassis Sensors von ZF, der einen Beschleunigungssensor integriert, um Vibrationen, die von den Reifen über das Fahrwerk übertragen werden, präzise zu erfassen.\n\nDer Kern des Systems liegt in einem speziell entwickelten Algorithmus, der die einzigartigen Geräuschmuster des Reifenhohlraumgeräuschs, typischerweise um 200 Hertz, identifiziert. Nach der Analyse der Vibrationen erzeugt die Software ein Gegen-Signal, das über die ZF-eigene cubiX-Softwareplattform durch die Ventile der halbaktiven Dämpfer, bekannt als CDC (Continuous Damping Control), gesendet wird. Dieser Prozess induziert Mikrobewegungen in den Dämpfern, um das Geräusch zu neutralisieren und zu reduzieren, ohne die Hauptfunktion des Dämpfers zu beeinträchtigen. Dr. Peter Holdmann, Mitglied des Vorstands der ZF und Leiter der Division Chassis Solutions, betont, dass dieser intelligente, algorithmusgesteuerte Ansatz die Effizienz der halbaktiven CDC-Dämpfer von ZF verbessert und neue Maßstäbe im Fahrkomfort setzt, während zusätzliche schalldämpfende Ausstattungen vermieden werden.\n\nDie Umsetzung der Geräuschreduzierung ausschließlich durch softwaregesteuerte Dämpferanpassungen bringt mehrere Vorteile mit sich, darunter die Eliminierung zusätzlicher Installationskosten und Platzanforderungen, die traditionell mit akustischer Hardware verbunden sind. Derzeit erreicht die Technologie Geräuschminderungen von über 3 Dezibel, was für Fahrzeuginsassen deutlich wahrnehmbar ist, und es besteht das Potenzial, diese Reduktion in zukünftigen Versionen auf bis zu 10 Dezibel zu erhöhen. Ein weiterer wichtiger Vorteil dieser softwarebasierten Lösung ist ihre Anpassungsfähigkeit; sie kann durch einfache Software-Updates an verschiedene Fahrzeugtypen und Kundenwünsche angepasst werden, was neue Möglichkeiten auf dem Automobilmarkt eröffnet, insbesondere für preisgünstigere Fahrzeuge, die typischerweise keine hochwertigen akustischen Lösungen besitzen.\n\nZF ist als globaler Marktführer bei halbaktiven Dämpfern anerkannt und liefert etwa 40 Prozent aller solchen Komponenten weltweit. Mit dem zunehmenden Wandel der Automobilindustrie hin zu automatisierten Fahrsystemen erwartet ZF eine steigende Nachfrage und Absatz für diese fortschrittlichen Dämpfungstechnologien. Die Active Noise Reduction-Funktion ist ein integraler Bestandteil der Produktstrategie Chassis 2.0 von ZF, die intelligente und vernetzte Aktuatoren – einschließlich Bremsen, Lenkung und Dämpfungssysteme – mit skalierbaren elektronischen Architekturen und innovativen Softwarelösungen kombiniert. Dieser integrierte Ansatz bildet eine flexible Plattform zur Ermöglichung neuer Fahrwerksfunktionen in softwaredefinierten Fahrzeugen.\n\nMit Blick auf die Zukunft soll die Produktion der Active Noise Reduction-Technologie im Jahr 2028 beginnen. ZF plant außerdem, dieses softwaregesteuerte Geräuschminderungskonzept auf andere Fahrwerksaktuatoren auszuweiten, beispielsweise zur aktiven Reduzierung von Bremsquietschen oder zur Integration in das vollaktive Dämpfungssystem namens sMOTION. Dr. Holdmann weist darauf hin, dass die Nutzung von Systemexpertise und intelligenten Algorithmen es ZF ermöglichen wird, seine mechatronischen Aktuatoren zu Innovationsführern zu machen, die sowohl selbst erzeugte als auch externe Geräusche effizient minimieren. Durch die Einbettung dieser Fähigkeiten in die Chassis 2.0-Initiative legt ZF den Grundstein für die Zukunft softwaredefinierter Fahrzeuge, in denen intelligente Aktuatorsteuerung den Fahrkomfort und die Gesamtfahrzeugleistung erheblich verbessert.