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Chinesische Technologieunternehmen, die aus Gründen der nationalen Sicherheit sowohl im Vereinigten Königreich als auch in den USA verboten wurden, haben Berichten zufolge für die Genehmigung einer neuen chinesischen Botschaft in London Lobbyarbeit geleistet. Diese staatlich kontrollierten Firmen reichten Briefe ein, die das Botschaftsprojekt unterstützten, was Bedenken ausgelöst hat, dass das Gebäude als Zentrum für Spionageaktivitäten im Ausland genutzt werden könnte. Einer der wichtigsten Lobbyisten ist ZTE Mobile, ein staatlich kontrolliertes Unternehmen, das von der britischen Geheimdienstagentur GCHQ als Sicherheitsrisiko für die Telekommunikationsinfrastruktur des Vereinigten Königreichs eingestuft wurde. ZTE Mobile forderte die Beamten auf, die Umgestaltung von Royal Mint Court, einem historischen Standort im Osten Londons, den China für 255 Millionen Pfund gekauft hat, zu unterstützen. In seinem Brief an die Regierungsplanungskommission beschrieb ZTE die vorgeschlagene Botschaft als eine „schöne“ Entwicklung.\n\nEin weiterer wichtiger Akteur ist China Mobile, ebenfalls staatlich und bekannt für enge Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee. Das Unternehmen bekundete seine „volle Unterstützung“ für das Botschaftsprojekt in einem separaten Schreiben. Beide Unternehmen haben kontroverse Hintergründe: ZTE Mobile wurde 2017 mit einer Geldstrafe von 1 Milliarde US-Dollar belegt, weil es illegal Ausrüstung nach Nordkorea und Iran in Verletzung der US-Sanktionen geschickt hatte, während China Mobile kürzlich mit verschärften US-Beschränkungen für seine Technologie konfrontiert wurde. Die Lobbyarbeit dieser Firmen hat die Befürchtungen neu entfacht, dass die Botschaft als digitales Spionagezentrum dienen könnte, was sensible Daten gefährden könnte.\n\nDie Sicherheitsbedenken werden durch die Tatsache verstärkt, dass Royal Mint Court ein denkmalgeschütztes Gebäude der Klasse II ist, das über einem komplexen Netzwerk von Glasfaserkabeln liegt, die Informationen in die City of London transportieren. Einige Räume im Umgestaltungsplan der Botschaft wurden aus „Sicherheitsgründen“ geschwärzt, was nur die Vermutungen befeuert, dass Spionageausrüstung installiert werden könnte. Steve Reed, der im September sein Amt als Wohnungsminister antrat, wird voraussichtlich im Dezember die endgültige Entscheidung über das Projekt treffen. Dies wird das Ende von Chinas jahrzehntelangem Bestreben markieren, eine Basis in London zu etablieren.\n\nDer ursprüngliche Antrag für Royal Mint Court wurde bei der lokalen Behörde Tower Hamlets eingereicht, später jedoch von der nationalen Regierung übernommen, die eine eigene formelle Untersuchung einleitete. Peking hat vor möglichen „Konsequenzen“ gewarnt, falls das Projekt nicht genehmigt wird, doch der Oppositionsführer im Vereinigten Königreich, Keir Starmer, hat versprochen, sich in dieser Angelegenheit nicht „herumschubsen“ zu lassen. Während der Untersuchung sandten mehrere chinesische staatlich kontrollierte Organisationen Briefe, in denen sie zur Genehmigung aufforderten. Neben ZTE Mobile und China Mobile gehören zu den Unterstützern auch die Industrial and Commercial Bank of China und der Elektroautohersteller BYD.\n\nIn seinem Brief hob Kenneth Cao, Geschäftsführer von ZTE UK, Umweltaspekte hervor und hoffte, dass der Standort zu Londons Zielen der CO2-Neutralität beitragen werde. China Mobile betonte ebenfalls die potenziellen Gemeinschafts- und wirtschaftlichen Vorteile, die die Botschaft bringen könnte, und erklärte, die Entwicklung werde sensibel auf die Bedürfnisse der Anwohner eingehen. Trotz dieser positiven Behauptungen dominieren weiterhin die anhaltenden Sorgen um nationale Sicherheit und Spionage die öffentliche und behördliche Diskussion rund um das Projekt.