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Angesichts der überwältigenden Anzahl an Indie-Spielen, die regelmäßig auf Steam erscheinen, ist es für Entwickler eine große Herausforderung, sich abzuheben. Das italienische Studio Fix-a-Bug hatte das Glück, in Japan schon vor der offiziellen Veröffentlichung ihres Spiels einen Volltreffer zu landen. Ihr 2D-Rogue-lite-Dungeon-Crawler, ursprünglich auf Englisch The Crazy Hyper-Dungeon Chronicles betitelt, wurde auf der Steam-Shopseite versehentlich ins Japanische als „Shitty Dungeon“ (Kuso Danjon) übersetzt. Dieser Fehler entstand, weil sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung einer Demo im August noch keine ordentliche japanische Übersetzung hatten und sich auf grobe maschinelle Übersetzungen verließen.\n\nDer Entwickler Paolo Nicoletti berichtete in einem Interview, dass das Team, als es den Fehler bemerkte, nicht anders konnte, als zu lachen. Anstatt dem Ruf des Spiels zu schaden, zog der unerwartete und zugegebenermaßen lustige Titel die Aufmerksamkeit vieler japanischer Spieler auf sich und löste lebhafte Diskussionen auf sozialen Medienplattformen wie X (ehemals Twitter) aus. Die Anzahl der Wunschlisten stieg sprunghaft an, was Nicoletti als „bestes versehentliches Marketing“ bezeichnete, das sie sich hätten wünschen können. Dieser Vorfall wurde erstmals Anfang August bemerkt, wobei die Diskussionen Mitte des Monats zunahmen, als Nutzer die Fehlübersetzung im offiziellen Discord-Kanal meldeten.\n\nObwohl noch unklar ist, wie genau dieser Übersetzungsfehler durchrutschte, fiel er mit der Auswahl der Demo für die „Selected Indie 80“-Reihe der Tokyo Game Show zusammen, bei der die japanische Lokalisierung weitere unbeholfene maschinell übersetzte Zeilen enthielt. Die Entwickler versicherten den Spielern, dass diese für die Vollversion behoben würden. In der Zwischenzeit half der ungewöhnliche Titel dem Spiel, sich in einem Meer von Neuerscheinungen eine Nische zu schaffen und weckte die Neugier, ob die Qualität des Spiels seinem derben Namen gerecht werde.\n\nRezensionen haben inzwischen bewiesen, dass The Crazy Hyper-Dungeon Chronicles alles andere als ein Flop ist. Es hat auf Steam eine „Überwiegend positiv“-Bewertung und wurde für seinen witzigen Dialog, befriedigendes Gameplay und durchdachtes Design gelobt. Japanische Spieler, die zunächst über den Titel schmunzelten, lobten den Humor und die Qualität der Pixelgrafik des Spiels. Ein Rezensent erwähnte, das Spiel blind wegen des Titels gekauft zu haben, aber angenehm überrascht von dem gut gestalteten Kampf und der ausgewogenen Mischung aus Humor und Spannung gewesen zu sein. Dieser Kontrast zwischen der groben Übersetzung und der soliden Spielqualität trug zu seinem Charme und seiner Anziehungskraft bei.\n\nDieser Vorfall zeigt, wie Übersetzungsfehler, obwohl sie oft problematisch sind, manchmal unvergessliche Momente schaffen können, die die Sichtbarkeit eines Spiels erhöhen. Ähnlich wie klassische Beispiele wie Zero Wings ikonischer Satz „All your base are belong to us“ oder Castlevania: Symphony of the Night’s berühmte Zeile „What is a man? A miserable little pile of secrets“ können Fehlübersetzungen manchmal zu kulturellen Phänomenen werden. Während professionelle Lokalisierung immer vorzuziehen ist, haben diese Eigenheiten ihre eigene seltsame Art von Marketingmagie. Verity Townsend, eine in Japan ansässige freiberufliche Autorin mit Erfahrung in der Spiel-Lokalisierung, stellt fest, dass trotz der Pannen die Rezeption des Spiels eine wachsende Wertschätzung für Indie-Titel zeigt, die Humor mit solidem Gameplay verbinden, selbst wenn ihre anfängliche japanische Präsentation nicht perfekt ist.