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Der Hurrikan Melissa traf am Dienstag mit rekordverdächtigen Windgeschwindigkeiten von 185 mph auf Jamaika und gilt damit als einer der extremsten Stürme, die sich in den letzten Jahren im Atlantik gebildet haben. Wissenschaftler bezeichnen Melissa als ein Ungeheuer und stellen fest, dass sie die typischen meteorologischen Wahrscheinlichkeiten trotzte, indem sie mehrere Bedingungen durchbrach, die normalerweise große Hurrikane abschwächen. Anstatt an Stärke zu verlieren, gewann Melissa weiter an Kraft, was Experten sowohl überraschte als auch beunruhigte. Der Sturm intensivierte sich nicht nur schnell, sondern durchlief eine sogenannte extreme schnelle Intensivierung, bei der seine Windgeschwindigkeit in nur einem Tag um etwa 70 mph anstieg. Danach durchlief er sogar eine zweite Phase schneller Intensivierung, die seine Winde vor dem Landfall auf 175 mph steigerte.
Als Melissa auf Land traf, erreichte sie historische Rekorde für atlantische Hurrikane sowohl bei der Windgeschwindigkeit als auch beim barometrischen Druck und glich damit dem berüchtigten Hurrikan vom Tag der Arbeit 1935, der Florida verwüstete. Während einige Hurrikane wie Hurrikan Allen noch höhere Windgeschwindigkeiten erreichten, ist Melissas Stärke beim Landfall besonders bemerkenswert. Normalerweise durchlaufen große Hurrikane einen Zyklus des Augenwandwechsels – ein Prozess, bei dem eine kleinere innere Augenwand zusammenbricht und durch eine größere ersetzt wird, was den Sturm typischerweise vorübergehend abschwächt. Melissa schien diesem Zyklus nahe zu sein, durchlief ihn aber nie tatsächlich, was ihr half, ihre intensive Stärke zu bewahren.
Ein ungewöhnlicher Faktor war Melissas Interaktion mit dem bergigen Gelände Jamaikas. Normalerweise stören Berge Hurrikane genug, um sie abzuschwächen, aber Melissa schien unbeeindruckt zu sein und verweilte eine Weile vor der Küste, ohne an Kraft zu verlieren. Ein weiterer seltener Aspekt ist, dass sie nicht unter der üblichen Abkühlung des Ozeanwassers darunter litt, die oft auftritt, wenn Stürme lange über einem Gebiet verweilen. Diese Abkühlung unterbricht normalerweise den warmen Wasser-'Treibstoff', den Hurrikane benötigen, um weiter an Stärke zu gewinnen. Dank Wassertemperaturen, die 2 Grad Celsius über dem Durchschnitt lagen, fand Melissa jedoch weiterhin genug Energie, um stark zu bleiben.
Meteorologen beobachteten ungläubig, wie sich der Hurrikan während fünf separater sechs-Stunden-Perioden schnell intensivierte. Der Sturm schien mit Kraft zu explodieren und sprang in kurzen Zeiträumen drastisch in der Windgeschwindigkeit. Diese warmen Ozeanwässer, befeuert durch den Klimawandel, spielten eine große Rolle bei Melissas ungewöhnlicher Stärke. Wissenschaftliche Modelle schätzen, dass die globale Erwärmung diese Gewässer 500 bis 700 Mal wahrscheinlicher wärmer als üblich gemacht hat, was Hurrikanen wie Melissa einen gefährlichen Vorteil verschafft.
Im größeren Zusammenhang gab es in den letzten zehn Jahren einen starken Anstieg von Hurrikanen der Kategorie 5 im Atlantik. Von 2016 bis 2025 gab es allein 13 solcher Stürme, darunter drei in diesem Jahr. Dieser Trend steht im starken Gegensatz zu früheren Jahrzehnten, in denen diese Spitzenhurrikane viel seltener waren. Obwohl historische Aufzeichnungen vor Satelliten unvollständig sein könnten, sind sich Klimaexperten im Allgemeinen einig, dass eine wärmere Welt wahrscheinlich stärkere Stürme hervorbringt, auch wenn die Gesamtzahl der Hurrikane nicht zunimmt. Forscher betonen die direkte Verbindung zwischen wärmeren Ozeantemperaturen und der schnellen Intensivierung von Stürmen wie Melissa.
Zusammenfassend sticht der Hurrikan Melissa nicht nur durch seine rekordverdächtige Stärke hervor, sondern auch durch die ungewöhnliche Art, wie er diese Stärke trotz Bedingungen, die normalerweise andere Stürme abschwächen würden, beibehielt und steigerte. Sein Verhalten unterstreicht den wachsenden Einfluss des Klimawandels auf die Dynamik von Hurrikanen und weckt Besorgnis für zukünftige Sturmsaisons und Küstenvorsorge.