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Prof. Vukosi Marivate, Direktor des Afrikanischen Instituts für Datenwissenschaft und Künstliche Intelligenz an der Universität Pretoria, wurde in das Unabhängige Internationale Wissenschaftliche Gremium der Vereinten Nationen zur Künstlichen Intelligenz berufen. Dieses Gremium stellt die erste globale wissenschaftliche Organisation dar, die sich ausschließlich mit der Aufsicht über die Entwicklung und Governance der Künstlichen Intelligenz befasst.\n\nMarivate wurde aus über 2.600 Bewerbern aus 140 Ländern ausgewählt und gehört damit zu den insgesamt 39 Expertinnen und Experten, die in dieses Gremium berufen wurden. Er innehat den ABSA-UP-Lehrstuhl für Datenwissenschaft und hat sich seit fast einem Jahrzehnt dafür eingesetzt, dass Afrika die Künstliche Intelligenz mitgestaltet, statt von externen Kräften geprägt zu werden.\n\nSeine Berufung baut auf jahrelangen Bemühungen um den Aufbau wissenschaftlicher Institutionen auf, darunter die Mitbegründung der Deep Learning Indaba im Jahr 2017 sowie die Gründung von Masakhane, einer Basisinitiative, die Werkzeuge für die Verarbeitung natürlicher Sprache für afrikanische Sprachen entwickelt. Zudem führte seine Arbeit mit Lelapa AI zur Einführung von InkubaLM, das als Afrikas erstes mehrsprachiges großes Sprachmodell beschrieben wird.\n\nEin zentrales Anliegen seiner Mission ist die Schließung der Kluft zwischen Südafrikas zwölf offiziellen Sprachen und der mangelnden Repräsentation dieser Sprachen in den meisten KI-gestützten Sprachassistenten. Marivate weist darauf hin, dass historische, kulturelle und politische Faktoren die digitale Sprachrepräsentation beeinflusst haben, und warnt davor, dass Technologie Menschen repräsentieren muss, um die angestrebten Ergebnisse zu liefern.\n\nDas UN-Gremium ist beauftragt, die internationale KI-Politik wissenschaftlich fundiert zu gestalten; sein erster Bericht soll im Juli 2026 beim Globalen Dialog zur KI-Governance in Genf vorgelegt werden. Marivate erwartet, dass eine wesentliche Wirkung darin bestehen wird, die Bandbreite der Stimmen, die an der Gestaltung der KI-Governance beteiligt sind, zu erweitern – selbst wenn kein einheitlicher globaler Rahmen entsteht.\n\nEr warnte davor, dass Afrikas geringe Investitionen in Forschung und Entwicklung den Kontinent schlecht positionieren, um Einfluss auf die KI-Revolution zu nehmen. Nach Ansicht von Marivate laufen Länder ohne aktiven Aufbau eigener Kompetenzen Gefahr, bloße Zuschauer bei transformierenden Technologien zu bleiben, die sich an einem Ort konzentrieren.